Reisebericht Tansania: Was haben Heirat und Reise gemeinsam?

Brighton und Lotte in einem Einbaum-Boot
Brighton paddelt die beiden Reisenden über den Lake Nyasa (ehem. Malawi).

Das Interview führten Leila und Simon kurz nach der Rückkehr.


Wem begegnet man auf einer Backpacking-Tour durch Tansania?

 

Louis: Vielen, vielen Leuten! Angefangen bei unseren Guides, aber auch nette andere Reisende und Einheimische. In Mbeya, nicht weit der Grenze zu Malawi und Sambia, wurden wir zum Beispiel einfach auf der Straße auf Deutsch angesprochen. Lotte und ich hatten uns miteinander unterhalten, da, plötzlich, sprach uns ein Tansanier in hervorragendem Deutsch an. Wir staunten nicht schlecht, als Lawrence uns erzählte, dass er nur ein Jahr Deutsch im Goethe-Institut in Dar Es Salaam gelernt hatte. Er empfahl uns ein gutes Lokal in der Nähe und wir aßen mit ihm gemeinsam zu Abend. Irgendwie ein merkwürdig deutscher Abend in Tansania.


Lotte: Kaum zu glauben, dass er mit dieser Sprachbegabung arbeitslos ist. Angesprochen hatte er uns auf der Straße und wollte uns eigentlich seine Souvenirs verkaufen, die er dabei hatte. Ich finde es schade, dass jemand wie Lawrence, der ziemlich klug ist, aber keinen Schulabschluss hat, keine Möglichkeit hatte und wahrscheinlich auch nicht mehr haben wird, einen Berufsabschluss zu erlangen und damit irgendwann zu einem festen Beruf zu kommen.

Wenn man sich mit den Leuten über Bildung unterhält, ist jeder erstmal froh, dass viele eine Chance haben zur Schule zu gehen, aber im zweiten Satz wird immer hinzugefügt, dass es noch so viel zu verbessern gibt.

Backpacking klingt gut. Wo ging es hin?

 

Lotte: Geplant hatten wir nicht viel außer die grobe Route. Ansonsten haben wir uns sehr individuell den Umständen angepasst und unser Vorhaben auch von Zeit zu Zeit geändert.

Wir sind von Arusha nach Kondoa und von dort nach Dodoma und Iringa, über Mbeya und Tukuyu nach Matema an den Lake Nyasa gereist. Der Plan war gewesen dort am See ganz im Süden Tansanias unsere Reise mit ein  bisschen Erholung am Strand und dem See zu beenden.

Die Reise dorthin war streckenweise sehr anstrengend, da wir sehr weite Strecken mit den öffentlichen Reisebussen zurück gelegt haben und dabei nicht immer die komfortabelsten erwischt haben, ganz zu schweigen von den unbefestigten Straßen.

Sehenswertes gab es vieles! Mir fällt es schwer mich da auf eine Sache zu beschränken, in jeder Stadt gab es etwas Neues zu sehen und zu Entdecken. In Kondoa haben wir wunderschöne, 6000 Jahre alte Felszeichnungen angeschaut, in Iringa eine tolle Stoneage-Site mit Lavasäulen und steinzeitlichen Faustkeilen und besonders gut gefallen hat mir ein Pottery Village am See, abgeschottet von Elektrizität und der Außenwelt. Die Männer fischten und die Frauen produzierten ihre Töpferware mit primitiven Handtöpferscheiben. Für mich war dies ein ganz besonderer Moment um zu sehen, wie viele Menschen in Tansania wirklich leben. Dieses Dorf war nur mit dem Boot zu erreichen oder durch einen sehr langen Fußmarsch an der Küste entlang. Wir haben viele Kinder gesehen, die raus fuhren zum Fischen statt in die Schule zu gehen, denn eine andere Möglichkeit scheint es in diesem Dort nicht zu geben.

Louis: Es war bedrückend und faszinierend, in diesem Dorf: Nur über das Wasser erreichbar, waren die rund 100 Menschen ziemlich abgeschottet. Und für die Kinder steht seit Jahrzehnten fest: Bist du ein Junge, wirst du Fischer. Bist du ein Mädchen, wird du Töpferin. Da kommt man sich mit den europäischen Luxusproblemen „Ich kann mich nicht entscheiden“ wirklich fehl am Platz vor.

Lotte: Findest du wirklich? Ist das denn falsch?

Louis: Nein, falsch sind die Zweifel und Bedenken bei all den Möglichkeiten in der Berufswahl in Deutschland nicht. Für viele stellt das ein wirkliches Problem dar, aber im Vergleich zu diesem Dorf im tansanischen Hinterland, verliert die Situation doch ziemlich an Dramatik!

 

War die Reise rein privater Natur?


Louis: Nein. Zu einem großen Teil war sie natürlich aus privatem Interesse am Südwesten Tansanias motiviert. Auch haben wir selbstverständlich alle Kosten selbst getragen: Egal wo, ob für den Flug, beim Reisen oder an der OWSK.:

 

Aber mit der Reise in den Südwesten Tansanias hatten wir noch eine andere Idee im Kopf, als nur diesen Landstrich zu bestaunen: Die Tourismus-Informationen über Tansania auf unserer Homepage der Friends of OWSK e.V. soll ausgebaut werden. Selten stößt man im Netz auf unabhängige Reiseinformationen zu einer Safari, dem Strand am Indischen Ozean oder eben einer Backpacking-Tour in das Hochland um den Lake Nyasa. Zwar sind viele Infos von kommerziellen Reiseanbietern nicht schlecht, aber noch unerfahrene Ostafrika-Reisende können das nicht einschätzen. So wirkt die versteckte Reisewerbung („Hier Safari buchen“) eher abschreckend und nicht seriös.
Anders, wenn diese Informationen von Reisenden für Reisende zur Verfügung gestellt werden. Ein neuer Fokus der Internetseite der Friends sollen in Zukunft diese unabhängig, persönlichen Reiseinformationen und Reisetipps sein. Mit einer Auswahl guter Guide und empfehlenswerter Reiseziele, sowie den Tipps und Tricks für die Vorbereitung möchten wir das Interesse an Tansania wecken und gleichzeitig den Leute helfen, die im Dschungel von Werbung und Hilfreichen verloren gegangen sind. Und schlussendlichen möchten wir diese Leute zur One World Secondary School Kilimanjaro führen (literarisch und auch in Wirklichkeit): Denn wem geholfen wird, der ist auch gerne bereit selbst eine kleine finanzielle Unterstützung zu leisten. 

 

Was war richtig schlecht auf eurem Trip?

 

Lotte: Was heißt schon richtig schlecht? Es gab ein paar anstrengende Passagen. Die Straßen sind teilweise extrem schlecht und in vielen Bussen ist es sehr eng, weil zu viele Menschen in den Bus gezwängt werden. Die Busse fahren auch nicht immer dann, wenn gesagt wird, dass sie abfahren. Das ist Nervenaufreibend und man muss sich in Geduld üben, aber das wiederrum ist gar nicht so schlecht.

 

Was war die spannendste Erfahrung?

 

Lotte: Für mich war es am spannendsten zu sehen, wie die Menschen in Tansania die Dinge meistern. Wie das Leben dort funktioniert und was dabei alles dazu gehört, oder eben nicht. So war es für mich eine sehr interessante Erfahrung mein Wasser mit einem Eimer zu holen und diesen zum Beispiel zum Duschen zu verwenden. Interessanter weise machte mir das gar nichts aus. Klar, ich habe mich zuhause in Deutschland wieder über warmes Wasser gefreut, aber es war interessant zu sehen, dass ich es nicht unbedingt brauche, um zufrieden zu sein, es ist ein überflüssiger Schnickschnack, den wir uns in Deutschland leisten!

So wie viele andere Dinge auch; beispielsweise eine Waschmaschine… zugegeben, diese ist nicht überflüssig, denn das erspart enorm viel Zeit, aber es ist spannend auf genau diese Dinge mal zu verzichten, um dann zuhause festzustellen, wie gut wir es doch haben.

 

Was hat es nun mit dem Heiraten und Reisen auf sich?

 

Louis: Tja, das ist so eine Sache… Es hilft eben verheiratet zu sein in Tansania! Nein, von vorne: Die Regeln für das gegenseitige Kennenlernen von Männern und Frauen, geschweige denn für eine Beziehung, sind in Tansania sehr umfangreich und ganz anders als in Deutschland. Hier in Ostafrika treffen sich Männer und Frauen erst heimlich und müssen dies auch recht lange geheim halten. Wird es nämlich offiziell, muss der Mann der Familie der Frau und umgekehrt vorgestellt werden. Wenn diese die Beziehung akzeptiert, bedeutet das meist gleich Hochzeit. Denn warum sollte man warten? Also wird sich verlobt und schnell geheiratet.

Frauen und Männer, die öffentlich zusammen sind und gemeinsam ein Hotelzimmer buchen möchten, sind also in der Regel verheiratet. Und je weniger touristisch das Reisegebiet, desto weniger kennen die Leute unsere „Beziehungskultur“ in Deutschland. Um Dinge nicht komplizierter zu machen, waren Lotte und ich eigentlich immer verheiratet und haben damit bequem reisen können.

 

 

Was nehmt ihr mit nach Hause?

 

Lotte: Ich habe versucht die Spontanität und Ruhe mit nach Hause zu nehmen. In Tansania habe ich mich ruhiger gefühlt. Es ist nicht so hektisch wie in Deutschland und die Lebenseinstellung ist eine andere. Was man heute nicht schafft macht man eben morgen. Man muss spontan bleiben und sich nicht aufregen, wenn etwas nicht planmäßig verläuft.

 

Louis: Viele tolle Eindrücke und auch viel Motivation. Es kann noch so viel mehr getan werden für die OWSK und es hat sich mal wieder bestätigt: Es lohnt sich und es kommt an! Daher: Auch viel Arbeit war im Heimreise-Gepäck.

Louis und Felszeichungen in Kondoa, Tansania
Station 2: Louis muss sehr genau hingucken: 6000-10.000 Jahre alte Felszeichnungen in Kondoa in Zentral-Tansania.
Laster mit Arbeitern und Bananen.
Station 5: Fahrt auf einem Bananenlaster durch das südwestliche Hochland um Tukuyu.
Louis und Juma im Mkwawa Museum bei Iringa
Station 4: "Museum" der Aufständischen gegen die deutschen Kolonialherren in der Nähe von Iringa.
Säulen aus Sand, die durch eine Lavaschicht vor der Erosion geschützt wurden; Isimila, Stoneage-Site.
Station 4: Lotte und Louis bei Lava-Sand-Säulen bei Iringa.
Ein Wasserfall stürzt vor der Höhle in die Tiefe
Station 5: Blick aus einer Höhle in das Hochland um Mbeya.

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