Tansania vor Ort: Radio One World & ein Besuch der Friends

Gruppenfotos von 2013 und 2015 in Tansania
Gestern und heute: Viele Schüler und zwei Blicke in die OWSK (2013 und 2015)

Louis, wie hat sich die Schule in den letzten zwei Jahren verändert?


Louis: Sie ist gewachsen. Und das nicht zu knapp! Als ich da war, war es eine Schulklasse. Jetzt sind es drei und ab Januar vier! Ich war echt überrascht, wie viele Leute auf einmal an dem Ort arbeiten, leben und lernen, an dem ich so gerne gewesen bin. Und ich habe mich natürlich sehr gefreut! Gebäude wurden auch gebaut. Ich wusste zwar, was alles dazugekommen ist, aber es ist schon nochmal ein Unterschied, dass dann alles live zu sehen und zu erleben. Ich war ziemlich baff. 
Am schönsten war es, die Schülerinnen und Schüler wiederzutreffen, die damals schon an meiner Schule waren. Goodluck, Manuel, Simon, Norbert, Vivien und Shakilah und alle anderen, die ich zwei Jahre nicht mehr gesehen hatte, aber die mir das vertraute Gefühl gaben, ich sei erst gestern da gewesen. Sie sind zwar alle gewachsen, aber die Freundschaft, die mich mit ihnen verbindet, hat sich nicht verändert. Besonders beeindruckt hat mich ihre Engagement sich einzusetzen. Eigentlich alle meiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler setzen sich für andere ein: Geben Nachhilfe, sind Klassensprecher oder kümmern sich um das Schulgrundstück. Auch unsere Diskussionen waren einfach zwei Jahre erwachsener und damit wirklich spannend. Ich habe die Zeit sehr genossen! 

Was habt ihr an der OWSK gemacht?

 

Lotte: Wir waren zu Gast, um uns anzusehen, wie es mit der Schule weiter gegangen ist, nachdem wir das letzte Mal dort waren. Zudem hatten wir uns überlegt für die zwei Wochen dort ein Projekt zu starten: eine kleine Radio-Produktion. Wir hatten uns dabei im Voraus selbst Gedanken gemacht und dann die Schüler konkret noch nach ihren Vorstellungen gefragt.

Dabei kamen interessante Ideen auf: ein fiktives Fußballspiel kommentieren, eine Geschichte erzählen und Gebete aufnehmen. Sachen, die wir nie mit Radio verbunden hätten, hier aber ganz alltäglich sind. Einfach mal reinhören! 

Radioprojekt, wie kann man sich das vorstellen?

 

Louis: Die Schüler haben Ideen vorgebracht, diese in kleinen Gruppen bearbeitet und uns dann ein Skript geschrieben. Wir haben dabei beraten und am Ende einmal über das Skript drübergelesen. Anschließend haben wir die Schülerinnen und Schüler mit ihren Ideen aufgezeichnet und das mit ihrer Lieblingsmusik zusammengemischt. Das Ergebnis ist „Radio One World“.
Allerdings als Pausenradio und (noch) nicht im öffentlichen Radio. Aber wer weiß? Die ein oder anderen hörenswerten Moderatoren waren durchaus dabei!


 

Apropos, dabei: Wer hat mitgewirkt?

 

Lotte: Wir wollten allen Schülern die Möglichkeit geben daran teilzunehmen. Aus diesem Grund war es freiwillig und für alle Altersstufen zugänglich. Hauptsächlich kamen allerdings Kinder aus der Form 1. Im Laufe des Projektes haben wir noch mehr der älteren Schüler motiviert, uns zu helfen, da diese die Jüngeren unterstützen und schwierige Aufgaben wie Koordination und Moderation übernehmen konnten.


 

Und wie sieht das Ergebnis aus?


Louis: In das Ergebnis könnt ihr gerne mal reinhören! Wir haben verschiedene Sachen hochgeladen. Die Radio-Show ist ganz unterschiedlich: Von News, einer Liebesgeschichte und einem Fußball-Live-Kommentar, hin zu einer Reportage, zwei Gebeten und dem School Song ist alles dabei. Nicht zu vergessen den super Slogan: „This is Radio One World. Hear you next time!“


 

Aber ihr ward doch nicht nur für das Radio da, oder?

 

Louis: Nein, wir sind natürlich nicht nur privat nach Tansania geflogen. Zentral war der Ausbau der Zusammenarbeit der Friends mit der OWSK. Gemeinsam mit Karl-Heinz, dem Schulleiter, seiner Frau Swantje und deren Tochter Leonie haben wir viel geplant, was die weitere Zusammenarbeit angeht. Besonders die Öffentlichkeitsarbeit ist dabei im Fokus. Die Gespräche waren lang und gut und wir konnten uns gut austauschen. Unser Fokus ist nun also geschärft und wir freuen uns motiviert durchzustarten.

 

 

Trotzdem nochmal kritisch: Was gilt es denn an der OWSK zu verbessern?


Lotte: Puh… Es gab in letzter Zeit einige Probleme mit Freiwilligen an der Schule. Hier müssen wir aufpassen, dass der Altersunterschied zwischen unseren Schülerinnen und Schülern zu den Volontären nicht zu gering wird.
Wir brauchen auch noch mehr Verteilungskanäle. Die OWSK macht hervorragende Arbeit, aber noch bekommen zu wenige Menschen davon mit.
Außerdem ist es bei der Arbeit vor Ort nicht so einfach, die modernen Schulkonzepte überall anzuwenden. Etwas Neues ist anstrengend und nicht immer einfach, also muss mit viel Zeit der Unterricht evaluiert, kontrolliert und verbessert werden. Ich sehe uns da aber auf einem guten Weg.

Ja, und zu guter Letzt ist es das liebe Geld, das nicht so einfach ist. Die Schule befindet sich gerade in der stärksten Wachstumsphase, was Schülerzahlen und den Neubau von Gebäuden betrifft. Da brauchen wir viel finanzielle Unterstützung, um diese Aufgabe zu stemmen. Sowohl die OWSK selbst, als auch die Friends setzen alles daran, eine erfolgreiche Finanzierung zu ermöglichen.

 

 

Das klingt nach viel Arbeit. Aber wo soll es hingehen?


Louis: Alles in allem ist die Schule viel professioneller geworden. Die Schulleitung, der Unterricht, die Klassenzimmer und das Leben im Internat. Alles läuft sehr routiniert und wirkt nicht mehr so improvisiert, wie vor zwei Jahren. Das birgt natürlich große Chancen und Risiken: Wir müssen aufpassen, dass immer noch der einzelne Schüler oder die einzelne Schülerin im Mittelpunkt unserer Arbeit steht und dass seine oder ihre Bildung unser Ziel ist. Nicht, dass ich das in Gefahr sehen, aber je stärker man wächst, desto besser muss man auf den Einzelnen aufpassen!
Eine tolle Chance sehe ich darin, das die Schule nun auch nach links und rechts ihre Fühler ausstrecken kann. Wie können wir in der Region um die OWSK wirken? Was hat sich dort schon verändert? Welche Ideen haben die Schülerinnen und Schüler selbst? Umso vernünftiger und verantwortungsbewusster sie werden, desto mehr setzen sie sich für ihre Belange ein. Diese Anstöße nehmen wir gerne auf und arbeiten gemeinsam an der One World Secondary School Kilimanjaro weiter.
Eine Vision, die vielen Lehrern, der Schulleitung und mir vorschwebt, ist das sich selbsttragende Projekt, das in deutsch-tansanischer Hand gute Bildung für afrikanische und europäische Schüler ermöglicht. Denn nur gemeinsam können wir ein erfolgreiches Miteinander gestalten.

 

 

Und konkret?


Louis: Ja, konkret heißt das: Jedes Jahr eine neue Klasse bis wir alle Jahrgangsstufen bis Form VI. Wir wachsen also nochmal von im Moment 85 Schülerinnen und Schülern auf ungefähr das Doppelte. In diesem Zug brauchen wir neue Klassenzimmer, Schlafsäle und Lehrer. Außerdem kursieren Ideen zur Erwachsenenbildung und zum Ausbau des Tourismus in der Region. Es gibt also viel zu tun. Machen wir uns an die Arbeit!  


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