Erste Schritte, erste Kontakte: Eindrücke aus Tansania

 

- Blogeintrag von unserem Freiwilligen Simon -

 

Simon und Leila vor der Kulisse der Pare-Berge
Unsere neuen Volontäre Leila und Simon in Kisangara

Fast auf die Stunde genau sind wir vor 2 Wochen in Tansania angekommen. In diesen 14 Tagen haben wir zwar noch nicht den umfangreichsten Einblick in das Leben in Tansania gewinnen können, aber einen Blick auf unser Einleben können wir schon geben. Wir, das sind Leila und ich, Simon, die neuen Volontäre der OWSK für die nächsten sechs Monate. Im Gegensatz zum hochmodernisierten Flughafen Dohas, der unseren Zwischenstopp auf der Reise von München nach Tansania darstellte, kam uns der Kilimanjaro International Airport sehr schnuckelig vor. Nachdem wir ganz unkompliziert zu Fuß vom Flugzeug in das einzige Terminal des Flughafens gelaufen sind und es glücklicherweise auch bei der Einreise und der Gepäckausgabe keine Probleme gab, freuten wir uns sehr nach mehr als 24 Stunden Anreise von Karl-Heinz und einem Fahrer willkommen geheißen zu werden.

 

Doch sobald wir aus dem angenehm klimatisierten Flughafen herauskommen, schlägt uns eine Hitzewelle ins Gesicht und lässt alles mit sofortiger Wirkung anstrengender werden. Das Tragen des Gepäcks, das Laufen und sogar das Atmen fällt plötzlich schwerer. Zumindest mir. Den Tansaniern scheint die Hitze kaum etwas auszumachen. Das Autothermometer zeigt eine Außentemperatur von 34° C an und bestätigt unser Leiden. Aber damit werde ich mich wohl die nächste Zeit arrangieren müssen. Wohingegen es in Deutschland im Februar angenehm kühl ist und zumindest in der Theorie Schnee liegen sollte, herrscht in Tansania gerade Sommer oder besser gesagt Trockenzeit. Denn so richtig kalt wir es auf ca. 4° südliche Breite kaum. Im Mai solle es wohl einige Grad kälter werden, während der Regenzeit, aber das dauert ja noch eine halbe Ewigkeit.

 

Was nach den klimatischen Bedingungen als nächstes auffällt, ist, dass wir auffallen. Als Mzungu, also als Weißer wird man besonders in touristischen Gegenden, aber auch sonst häufig anders behandelt. Manchmal positiv, manchmal negativ, aber definitiv anders. Die einen sehen in dir einen ahnungslosen Touristen, den man leicht abzocken kann, andere einen wandelnden Geldbeutel, der allen Geschenke verteilt und für wieder andere ist man einfach nur eine Attraktion, dessen Haare man gerne anfasst. Das kommt zwar auffallend häufig vor, ist aber zum Glück nicht immer der Fall. Wenn man nett grüßt, zaubert es ein Lächeln auf das Gesicht des Gegenübers und man merkt die Freude über den Versuch Kiswahili zu sprechen. Danach wird man kaum mehr anders behandelt, was ich persönlich viel angenehmer finde. Ein bisschen Kiswahili reicht häufig aus, damit sich die Menschen öffnen und interessiert fragen, warum wir hier sind und was wir in Tansania machen.

 

Gleich am zweiten Tag unseres Aufenthalts hat uns Karl-Heinz Köhler, Schulleiter der OWSK, mit nach Mwanga, in die nächst größeren „Stadt“ genommen. Bei dieser Gelegenheit sind wir ins Gespräch mit verschiedenen Tansaniern gekommen und man merkt schnell, dass es in dem Land viele ungelöste Probleme gibt, die die Menschen stark beschäftigen. Korruption, Misswirtschaft, ein kaum vorhandenes Sozial- und ein schlechtes Gesundheitssystem, häusliche Gewalt und Missstände im Bildungswesen. Die Menschen versprechen sich viel vom neuen Präsidenten Magufuli und hoffen, dass er den Beginn eines Umbruchs einleitet. Die bisherigen Verbesserungen wie das Streichen teurer Staatsbankette oder die luxuriöse Versorgung hoher Beamter und Minister gehen eindeutig in die richtige Richtung. Die Absichten Magufulis sind sicherlich gut, aber um ein Land wie Tansania nachhaltig zu verändern, bedarf es viel Ausdauer und Verbesserung in kleinen Schritten. Im alltäglichen Leben werden diese Probleme so gut es eben geht ausgeblendet. Die Frage „Habari?“ (wörtl. „Nachrichten?“; frei übersetzt „Wie geht’s?“) wird immer mit „nzuri“ („gut“) beantwortet. Es war sehr interessant zu hören, wie Tansanier die Missstände, die von außen immer leicht zu verurteilen sind, in ihrem eigenen Land wahrnehmen und auch nicht davor zurückschrecken diese klar auszusprechen. Der Wunsch nach Veränderung wird deutlich und es bleibt spannend in welcher Geschwindigkeit und in welche Richtung diese in den nächsten Jahren kommen wird.

 

Ein erster Arbeitsstand: Amiri begutachtet das gemeinsam gebaute Regal
Ein erster Arbeitsstand: Amiri begutachtet das gemeinsam gebaute Regal

 Jetzt aber zu unseren eigenen alltäglichen Herausforderungen der letzten zwei Wochen, die wir bis jetzt alle mit einem Lächeln auf den Lippen gemeistert haben. Da die Schule mittlerweile mehr als 110 SchülerInnen hat, wurden wir nach unserer Ankunft von einem ganzen Schwarm von Kindern empfangen und herzlich aufgenommen. Auch wenn ich mir mittlerweile gut die Hälfte der Namen merken kann, wird es für alle sicherlich noch einige Zeit dauern. Wir brauchten ein paar Tage, um wirklich in Kisangara und an der Schule, über die wir schon so viel gehört hatten, anzukommen.

Auch wenn die gesamte Anreise vom Münchner Flughafen bis ans Eingangstor der OWSK gut 30 Stunden gedauert hatte, fühlte ich mich, als wäre ich von einem auf den anderen Moment in eine ganz andere Welt hereingestolpert. Eimerdusche und alle seine Klamotten selbst zu waschen ist zwar zeitaufwendiger und war zunächst ungewohnt, mittlerweile aber schon fast Alltag und man lernt den Luxus einer Waschmaschine und einer Dusche mit fließend‘ Wasser ganz neu zu schätzen. Sehr schön finde ich auch, dass man jeden, egal ob Fremden oder Freund, grüßt und sich mit einem einfachen „Habari“ oder „Habari yako“ automatisch um den Gemütszustand bzw. wörtlich um dessen Nachrichten erkundigt.

Die nächste Alltagsherausforderung, die es zu meistern gilt, ist das Kiswahili. Auch wenn die Kinder mir schon einiges bei gebracht haben, bin ich von einer normalen Unterhaltung auf Kiswahili noch ein gutes Stück entfernt. Einkaufen wird durch diese Sprachbarriere allerdings wesentlich unterhaltsamer und spannender und es ist erstaunlich, wie viel man mit Händen und Füßen darstellen kann. Wobei es auch hier Unterschiede gibt; Seife vorzumachen ist wesentlich leichter und bei weitem nicht so amüsant wie Toiletten Papier pantomimisch zu erklären. Aber wie gesagt, verständlich machen kann man eigentlich alles und als wir am dritten Tag mit so gut wie keinen Kiswahili-Kenntnissen nach Kisangara aufgebrochen sind, war ich umso stolzer als wir drei Stunden später mit allen wichtigen Materialien für den Bau eines Regals wieder an der Schule ankamen. Als wir gestern von einem zwei-Tages-Ausflug aus Moshi zurückfuhren, kam schon ein bisschen das „Endlich-wieder-zu-Hause-Gefühl“ auf, als wir die OWSK erreichten.

Alles in allem haben wir uns schon sehr gut an der Schule eingelebt. Ich freue mich wahnsinnig auf die nächsten fünfeinhalb Monate in Tansania und bin gespannt, was uns an Erfahrungen und Eindrücken erwartet.

- Simon


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