Projekt Tanuru: Die OWSK bekommt einen Backofen  – Teil I

Schüler der OWSK mit Volontär Simon nach getaner Arbeit

Die Arbeit als Volontär ist zeitlich kaum begrenzt und wir sind für die Schüler fast rund um die Uhr da, vom Ausleihen der Bücher über das Verarzten der neusten Fußballverletzungen bis hin zum Ansprechpartner für Probleme oder was den Kindern sonst noch auf dem Herzen liegt. Wenn man dann bei einem wunderschönen Sonnenuntergang doch ein paar Minuten für sich findet, passiert es nicht selten, dass die Gedanken abschweifen. Häufig natürlich an Zuhause und noch häufiger an das gute Essen dort. Man träumt von fliegenden Brezn, frischen Salaten und natürlich einem gut gefüllten Kühlschrank mit Käse und Joghurt. Auch ein reichlich gedeckter Frühstückstisch taucht in dem einen oder anderen Tagtraum auf. Die deutsche Frühstückskultur erscheint einem geradezu dekadent, wenn man sie mit dem mageren tansanischen „Chai ya asubuhi“ vergleicht. Wörtlich übersetzt heißt dies lediglich „Tee des Morgens“ und viel mehr ist es für viele Tansanier auch nicht.

 

 

An der OWSK gibt es jedoch neben Tee auch Porridge,  Früchte und natürlich die heißbegehrten Sconsi, damit unsere Schüler mit viel Energie in den Tag starten können. Dafür backen unsere Köche jeden Tag bis zu 100 Sconsi in großen Töpfen direkt über heißer Glut. Auch wenn das eine sehr coole Art ist Brot zu backen, ist sie doch recht mühsam und besonders während der jährlichen Regenzeiten schwierig in der Umsetzung. Es ist also klar: Ein Backofen muss her.

 

Sconsi (süßes Brot) // Objekt der Begiede für Schüler, Leher und Freiwillige an der OWSK

Nun sind wir natürlich keine professionellen Ofenbauer und so stellte uns das Projekt vor die eine oder andere Herausforderung. Um uns ein paar Inspirationen zu holen, durchforsteten wir zunächst das Internet nach Ideen für selbstgebaute Backöfen. Recht bald war klar, dass wir aufgrund der eingeschränkten Produktpalette Afrikas (wenige Werkzeuge mit fraglicher Qualität) und unseren beschränkten Möglichkeiten (wenige Erfahrungen mit fraglicher Qualität) einen sehr simplen Holzbackofen Marke Eigenbau konstruieren würden. Außerdem musste auch ein kleiner Unterstand entstehen, um den Ofen gegen Wind und Wetter zu schützen. Nach der Inspirationsphase ging es daran die ersten Skizzen und Konstruktionspläne aus dem Kopf aufs Papier zu bringen. Mittlerweile haben wir aber gelernt, dass Planung hier nicht zu überschätzen ist. Zum einen, da am Ende sowieso alles anders läuft als geplant und zum anderen, weil die besten Ideen ja häufig erst beim Bauen selbst kommen.

 

 

Das Beste ist also einfach die Dinge anzupacken und loszulegen –  das könnte man sich auch in Deutschland häufiger vornehmen. Mit einer ungefähren Vorstellung davon wie der Unterstand und der Ofen aussehen sollten, fuhren wir nach Mwanga, dem nächstgelegenen Städtchen. Dort erkundigten wir uns, welche Materialien man zu welchen Preisen erstehen könne. Eine Herausforderung, die uns sehr schnell begegnete, war es, den Hardware-Store-Besitzern zu erklären, was wir bauen wollen und was genau wir dazu brauchen. Häufig endete das Ganze darin, dass wir zuerst einmal beschreiben mussten, was denn ein Backofen überhaupt ist und wozu man so ein Ding braucht – und das Alles auf Kiswahili.

Nachdem wir uns also durch den tansanischen Hardware-Dschungel geschlagen hatten und am Ende doch einige nützliche Dinge erbeutet konnten, ging es daran, die frisch erstandenen Materialien von Mwanga zur Schule zu bringen. Wohingegen es in Deutschland die Ausnahme ist, wenn jemand kein eigenes Auto zur Verfügung hat, so ist es in Tansania eher andersherum. Deshalb werden hier auch die ungewöhnlichsten Dinge öffentlich transportiert. Man darf sich nicht wundern, wenn die nette Oma auf dem Nachbarsitz im Daladala (Daladalas sind aufgetunete Kleinbusse, die meistens viel zu überfüllt sind) zwei Hühner auf dem Schoß hat oder ganze Betten auf Motorräder transportiert werden. Dies blieb uns allerdings zum Glück erspart, da wir mit Upendo, die für die Schule donnerstags  auf dem Markt in Mwanga Lebensmittel einkauft, auf einem Mini-Laster direkt zur OWSK fahren konnten.

Als wir an der Schule ankamen, wurden wir sofort von neugierigen Schülern umringt und so fehlte es uns am nächsten Tag auch nicht an freiwilligen Helfern für den Start des eigentlichen Baus. Es ist wirklich schön zu sehen, mit wie viel Freude die Kinder uns halfen und wie viel Interesse sie dabei an den Tag legten. Wir konnten ihre Hilfe auch gut gebrauchen, nicht zuletzt deshalb, weil ein paar unserer Schüler wahrscheinlich schon bessere Baumeister sind als wir selbst. Bei dem Projekt haben wir mindestens so viel von ihnen lernen können wie sie von uns, wenn nicht sogar mehr!

 

 

 

Mittlerweile steht der Unterstand und vor ein paar Tagen wurden auch die Ziegelsteine gebracht, sodass es Anfang nächster Woche weitergehen kann. Angesichts derer Qualität bleibt es allerdings spannend, ob der ganze Ofen am Ende nicht doch in sich zusammenfällt. Aber eine gesunde Portion Optimismus kam uns hier schon häufiger zu Gute. Warum also nicht auch dieses Mal? Außerdem werden wir fortwährend von dem Traum des selbstgebackenen Schokokuchens oder der knusprigen Pizza angetrieben. Auch wenn noch einiges an Arbeit vor uns steht, sind wir nach wie vor sehr zuversichtlich und hochmotiviert und freuen uns ganz besonders auf die weitere Arbeit mit den Kindern.

 

Simon & Leila

 

 

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