Gut gemeint = gut gemacht? Ein Spendenappell

Unser Schüler Amiri: Spenden, die ankommen!
Unser Schüler Amiri: Spenden, die ankommen!

Jetzt kommt wieder die holde Weihnachtszeit mit all den tiefen Griffen ins Portemonnaie, um die Armen dieser Welt zu unterstützen Das ist prinzipiell absolut richtig und gut so. Über sammeln Kirchen und Hilfsorganisationen enorme Summen – von denen wir an der OWSK nur träumen können und von denen wir sehen, wohin das Geld wandert: In dicke, weiße Jeeps, mit denen hier durch die Lande gefahren wird.

 

Aber woher dieser Zynismus? Neulich hatten wir nämlich eine persönliche Erfahrung, wie Charity hier in Afrika funktionieren kann, aber selbstverständlich nicht muss!

Ein junger Mann kam auf unser Schulgrundstück und bat freundlich um Fotos von Amiri, dem Sohn unserer lieben Haushälterin. Auf meine Frage, wozu er die brauche, sagte er, für Amiris Donor. Er zeigte mir ein buntes vorgedrucktes Dankesblatt mit Sonnen und Blumen und mit weißen Stellen für Fotos. „Oh, er hat einen Donor, wunderbar, seit wann?“ fragte ich ihn. „Seit Amiri drei Jahre alt ist.“ „Und wo ist das Geld?“ – „Mmmh, der Donor schickt nicht jedem Kind Geld, er unterstützt aber das ganze Dorf.“

Da wurde mir klar, was dort gespielt wurde und ich holte Amiris Mutter und zwei Schüler zum Übersetzen. Ich forschte nach. Upendo, Amiris Mutter, stand neben mir und ich ließ ihr jedes Wort übersetzen. Ich sah sie zum ersten Mal, seit wir hier leben, richtig ärgerlich und sie sagte, seit Amiri ganz klein sei, würden immer wieder Fotos von ihm gemacht, und außer einen Stück Seife und einer Flasche Öl ab und zu hätte sie nie etwas bekommen. Einer der Schüler sagte, sie machen das gleiche mit seinem Bruder, der außer einem Schreibheft und einem Stück Seife (und das ist auch in Tansania nicht wirklich viel wert!) noch nie etwas bekommen habe, und bei ganz vielen Schülern im Dorf sei das genauso. Alle sind wütend auf diese große, weltberühmte Organisation mit vielen Prüfsiegeln und Plaketten!

 

Auf Nachfragen bei den Lehrern und den Leuten hier um uns herum wurde klar, dass alle das wissen und sauer sind, weil die Leute dieser Organisation mit dicken Jeeps herumfahren und sich nach und nach von den Spendengeldern feudale Häuser gebaut haben – easy life!

 

Für uns schien klar: Wo sonst soll das Geld hinfließen, wenn nicht in die teuren Jeeps, wenn viele, viele Fotos gemacht werden, professionell um Spenden geworben wird und dann die Kinder pro Jahr höchsten mit einem Stück Seife und einer Flasche Öl unterstützt werden?

Uns macht das wirklich wütend! Denn dahin gehen dann manche Gelder, die jetzt in der Weihnachtszeit gutgläubig und in guter Absicht für die Schulausbildung von Bedürftigen gespendet werden. Die Spender fühlen sich wegen all der Prüfsiegel sicher, bekommen zum Beweis, dass alles in Ordnung ist, nette Fotos auf den Blättchen mit Sonne und Blümchen und sehen ihre Patenkinder strahlend in schmucker, sauberer Schuluniform, die in unserem Fall komplett durch die tollen Spendern der One World Secondary School Kilimanjaro bezahlt werden. Diese Spender sind es, die wirkliche Unterstützung leisten, beispielsweise für Amiri, der sich wirklich macht, Spaß an der Schule hat und einfach ein cleverer Junge ist!

Und hier an der OWSK? Hier gibt es keine Jeeps! Überhaupt kein Auto, wir als Schulleiter in einem einfachen gemieteten Haus ohne Warmwasser und Kühlschank, aber dafür geht jeder gespendete Cent direkt in die Schule und zu den Kindern – und wenn es einmal knapp wird, stecken wir eigenes Geld dazu, weil uns die Schüler das Wichtigste sind!

 

 

Unser Appell für all die lieben Spender da draußen: Bitte überlegt euch genau, wohin ihr euer weihnachtliches Spendengeld gebt! 

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