TANSANIA // LAND DER GEGENSÄTZE

Arm und Reich, Savanne und Dschungel, Modern und Traditionell, Berggipfel und Sandstrände

 

Bevor ich nach Tansania gereist bin, kannte ich das Land nicht. Kannte ich Afrika nicht. Ich habe einen Reiseführer gelesen, aus dem mir die wichtigsten Dinge in Erinnerung geblieben waren, aber als ich ankam, eröffnete sich für mich eine völlig neue Welt. Alles ist anders. Die Straßen, die Autos, das Klima, die Häuser, Gerüche, Geräusche und die Menschen...

 

von Lotte Schlör -

# in Ostafrika am indischen Ozean

# Hauptstadt: Dodoma // Regierungssitz: Dar Es Salaam

# grenzt u.a. an Kenia, Uganda, Ruanda, Kongo und Malawi

# Landessprache: Suaheli & 130 weitere Sprachen und Dialekte

# eines der ärmsten Ländern der Welt (HDI-Rang 151/187) 

# Analphabetenrate bei 30 % der erwachsenen Bevölkerung

# 5-10% der erwachsenen Bevölkerung HIV positiv

# ehemalige deutsche Kolonie (Deutsch-Ostafrika)

# unabhängig seit 1961 von Großbritanien 


Die Köchin der OWSK mit ihrer Familie von ihrem Haus in Kisangara in den Pare-Bergen

In einem Reiseführer habe ich gelesen, dass der durchschnittliche Monatslohn in Tansania bei 37€ liegt. Aber was genau heißt das? Kann ich mir dadurch vorstellen, wie die Menschen dort leben? Ist es ein Anhaltspunkt, um zu verstehen worin der Unterschied besteht zwischen Deutschland und Tansania?

 

Ein Unterschied ist, weiß zu sein. Aufzufallen, wohin man auch geht. Egal, wo ich war, ich wurde schon von weitem als Touristin erkannt. Das war mir unangenehm und ich bemühte mich positiv aufzufallen, mich gut zu benehmen, und die Regeln, die mir zuvor gesagt worden waren einzuhalten. Zum Beispiel die Kleiderordnung zu beachten und nicht zu fotografieren. Letzteres fiel mir sehr schwer, schließlich war ich Touristin, nur für 2 Wochen in Tansania und wollte mich später an alles erinnern. Im Nachhinein betrachtet kann ich mich, obwohl ich nicht viele Fotos gemacht habe, sehr gut erinnern. Die wichtigsten Eindrücke kann man ohnehin nicht auf einem Foto festhalten. An die besonderen Erlebnisse werde ich mich immer zurück erinnern können. Am stärksten bleiben mir nämlich nicht die Löwen in der Serengeti oder der Kilimanjaro im Gedächtnis, sondern die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen Tansanias.

 

Es war eine der Köchinnen der One World Secondary School Kilimanjaro, die uns zu sich nach Hause einlud und fürstlich bewirtete. In einem Haus ohne Strom oder Wasseranschluss. Zum Abschied schenkte die Familie uns ein lebendes Huhn. Ein Huhn kostet in Tansania etwa 5 Euro. Umgerechnet auf den Monatslohn muss man sich überlegen, wie viel Geld das bei uns wäre, dann kann man vielleicht nachvollziehen, was für ein großzügiges Geschenk das war. Ich war beeindruckt von diesem Erlebnis und von diesen Menschen, die wissen, dass wir viel besser leben als sie und uns trotzdem nicht schräg anschauen, obwohl wir „Reichen“ in ihr Land kommen, um es zu besichtigen. Ja, sogar uns eine Freude bereiten.

 

Die Hilfsbereitschaft ist mir vor allem immer dann aufgefallen, wenn wir aus einem Reisebus gestiegen sind. Ich glaube, jeder Europäer, der nach Afrika kommt hat, gewisse Vorurteile. Zum Beispiel meint man, alles im Auge behalten zu müssen, alle Wertgegenstände festzuhalten und am besten mit niemandem zu sprechen, denn jeder könnte Böses im Sinn haben. Man steigt also aus einem Bus und ist umringt von Tansaniern, die alle gleichzeitig auf einen einreden. Dieses Gefühl ist zuerst beklemmend: „Was wollen sie von mir?“ Mit der Zeit habe ich verstanden, dass die meisten zwar etwas verkaufen wollen, es einem aber nicht verübeln, wenn man ablehnt. Es ist ein anderes Verständnis von Kauf und Verkauf.

Stattdessen kann man sie nach dem nächsten Bus fragen und viele helfen bereitwillig weiter, ohne dafür Geld zu fordern. Die meisten Tansanier sind sehr zuvorkommend und helfen gern.

Leopard auf dem Baum, Serengeti
Eine Mama (Suaheli: Frau) auf dem Markt in Kisangara
Händler verkaufen Snacks am Reisebus

Dabei ist es ein großer Vorteil, wenn man ein paar Worte Suaheli beherrscht. In Tansania war ich sehr häufig mit dem Thema Sprache konfrontiert, da mein Englisch mir nicht sehr viel weiter half. Dafür konnte ich mehrmals beobachten, was es für einen Unterschied für die Menschen machte, wenn man Suaheli mit ihnen sprach. Weiße, die Suaheli sprechen, gibt es selten und umso mehr freuen sich die Tansanier, wenn sie auf ihrer eigenen Sprache mit den Touristen sprechen können. Dass es sie noch gastfreundlicher macht, ist klar.

 

Für mich war es eine ganz besondere Erfahrung zu sehen, wie freundlich diese Menschen sind. Sicher nicht alle und man sollte wahrscheinlich trotzdem ein Auge auf seine Sachen haben, aber dieser Rat scheint wohl für die ganze Welt zu gelten. Der Großteil der Bevölkerung ist viel aufgeschlossener als wir hier in Deutschland. Zumindest dahingehend, was den Umgang mit Fremden betrifft. Wenn ich mir vorstelle, wie wir uns in Deutschland über die „nervigen“ Touristen aufregen, die überall im Weg stehen und die Innenstadt überlaufen, so dass man als „Einheimischer“ kaum noch durchkommt. Wer von uns würde zu Touristen gehen, sie fragen was sie suchen und sie zu dem Gesuchten führen?

Und so lebt das Land durch die Menschen, die mir viel eindrücklicher in Erinnerung geblieben sind als die Safari, die wir gemacht haben und von der ich ganz viele Fotos mit nach Hause gebracht habe. Trotz des vielen Leids und der großen Armut, die man an jeder Ecke sehen kann, ist Tansania ein beeindruckendes Land mit tollen Menschen und fantastischen Orten.

 

 

Wer sich für eine kleine Auswahl meiner Reiseziele interessiert, kann hier gerne die besonderen Ort durchsehen.

 

Tansania und Deutschland sind zwei komplett unterschiedliche Welten, für einen noch nicht so weit gereisten Menschen wie mich ein besonderes Erlebnis. Doch so wie überall, gibt es auch die Schattenseiten. Die Armut ist vielerorts. Sie ist ein ständiger Begleiter, bedrängt und lässt einen nachdenklich zurück. Als Weiße kam ich mir komisch vor: Ich fiel wegen meiner Hautfarbe immer sofort auf und jeder Tansanier weiß, dass ich „viel“ Geld bezahlt habe, um hier her zu kommen. Dadurch fühlte ich mich fast ständig im Konflikt mit mir selbst: Kann ich das vertreten, was ich tue? Darf ich mit einem Flugzeug in die Serengeti fliegen und dort viel Geld für eine Safari ausgeben? Ist das richtig, wenn ich gleichzeitig diese Armut sehe?

Ich halte nichts davon nach Tansania zu reisen, um dort zwei Wochen am Strand zu liegen und dabei nichts von dem Land und den Menschen an sich mit zubekommen. Wenn man aber die Augen offen hält und sieht, kommt man vielleicht nach einer sehr eindrücklichen Reise nach Hause und kann besser einschätzen, wie gut es uns in Europa geht. Vielleicht hat man danach auch das Bedürfnis etwas ändern zu wollen – einen Teil beizutragen, um dieses Land und seine Bewohner zu unterstützen. So ist es mir ergangen. So komme ich zu diesem Text auf dieser Seite.

Tansania-Erfahrene Lotte Schlör bei den Maasai

 Friends of One World

 Secondary School Kilimanjaro e.V.

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